Herzlich Willkommen

Hola!

Ich heiße Denis Kirchhübel und möchte euch auf dieser Seite über Projekte, die ich im Lauf meines Jahres als Freiwilliger in Ecuador durchgeführt habe, berichten.

Dank des Projektes "weltwärts" des BMZ habe ich die Gelegenheit bekommen von August 2009 bis zum August 2010 ein Jahr in Ecuador die Kultur und die Menschen kennen zu lernen und meinen kleinen Beitrag zur interkulturellen Zusammenarbeit zu leisten.
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12. Februar 2010

Carnaval

"Jueguemos Carnaval" - Lass uns Karneval spielen.
Wie oft habe ich diesen Satz wohl in den letzten Tagen gehört?

Aber von vorn:
Vorallem von den Indigenas der Sierra wird Karneval sehr feuchtfröhlich gefeiert, weil auf die gleiche Zeit ein altes Ritual ihrer Kultur fällt. Hintergrund ist, dass normalerweise zu dieser Zeit schon beinahe alle angebauten Produkte recht weit gewachsen sind und jetzt die Freude darüber ausgedrückt wird, dass alles gut gedeiht/gediehen ist.
Im Moment scheint es zwar gerade erst anzufangen genügend zu regnen und die Pflanzen, die eigentlich schon mindestens Hüft hoch sein sollten, wie das Quinua oder die Abas meiner Gastfamilie krepeln noch irgendwo zwischen Knöchel und Knie herum, aber dennoch wird fleissig gefeiert und "gespielt".

Die verständlicherweise ins Besondere bei den Kindern beliebte Tradition ist, sich gegenseitgig, bzw. alle die in Reichweite kommen, mit Wasser, Mehl oder anderen Pulvern oder Schaum (erinnert etwas an Schaumreiniger, brennt aber zum Glück nicht so sehr) einzusauen.
Das Ganze haben die Kinderchen, dank des grossen Angebotes an Wasserbomben im Schulkiosk und einer Sitzung der Lehrer mit den Supervisoren schon mal am Mittwoch angefangen.
In Massen umringten sie die Wasserhähne auf dem Pausenhof, tricksten mich, Don Segundo und die Hausmeisterin Doña Paty wiederholt aus, um den Haupthahn wieder zu öffnen, und verfolgten sich mit Luftballons voll Wasser oder Wasserbomben, in Ausnahmen auch Spritzpistolen.

Donnerstag wurde das viele Wasser, dank besserer Aufsicht ein wenig durch die verschiedensten Pulversubstanzen (Mehl, Gries, Talg) abgelöst und heute kam schliesslich alles zusammen und ab der Hälfte der Pause hielten sich auch die Lehrer nicht mehr zurück und es gab ein ausgelassenes Gefecht, dem nur die wenigen entgingen, die sich in ihren Klassenräumen verschanzt hielten, sei es wegen Krankheit oder einfach aus zu geringem Interesse am allgemeinen Aufruhr.

Obwohl sich die Sonne den ganzen Tag kaum blicken liess, hielten alle noch so durchnässten Schüler richtig gut durch und drängten erst eine Viertelstunde vor Schulschluss gegen das Tor an um schnell - bevor die Colegioschüler auf der Strasse sein würden - den Weg zu trockener Kleidung anzutreten.
Unter den Lehrern wurde ausserdem der Tag der Liebe und Freundschaft (ich schätze das ist der anstehende Valentinstag) mit einem kleinen Festmahl begangen.
Karneval

6. Februar 2010

Llegó el invierno

Es wird Winter - oder was man hier so als Winter bezeichnet: Seit heute Mittag regnet es an allen Orten der Sierra, wo ich heute vorbeikam(also mindestens zwischen Quito und Riobamba, was ja schonmal etwa ein Viertel der Sierra ausmacht. Und auch nicht nur so ein bisschen Nieselregen, sondern genug, dass an einer Strassenecke in Quito ein Feuerwehrmann bis zu den Knien im Wasser gestapft ist, und da hatte es gerade mal 1-2 Stündchen geregnet...

Ansonsten hatten wir vergange Nacht eine wunderbare Geburtstagsfete für Ce, mit vielen Leuten von Patys (also im Grunde Ces Gast-) Familie und den DED-Freiwilligen, in unserer kurzer Hand zu 'nem tollen Veranstaltungsort umfunktionierten Wohnung:
Der ohnehin beinahe unbenutzte Zwischenraum wurde komplett geleert mit ein paar Kerzen dekoriert und inklusive Beschallung zum Tanzraum erkoren, in unserem Wohnzimmer fand die alte Militärpritsche (mein altes Bett quasi) neben allen anderen Sitzgelegenheiten Platz und so wurde dort gegessen, gesessen, gequatscht und von Ces quasi Gastbruder (der allerdings schon eine Tochter in unserem Alter hat) und einem anderen Verwandten wundervoll mit Gitarre und Stimme musiziert.

Mehr Neuigkeiten haben sich nicht erreignet, aber ich hoffe ich kann bald noch ein paar Bildchen liefern!

5. Februar 2010

Sport, Zwischenseminar, Sport

So, nun melde ich mich auch mal wieder:

Die zweite und dritte Januarwoche verliefen schulisch ohne große Aufregungen, neben meinen Unterrichtsstunden in den 4.-7. Klassen, war ich hauptsächlich damit beschäftigt, Einladungen und Programme für die am 29.1. vollzogene Einweihung der rekonstruierten Aulas und der neuen Sanitäranlagen (die auch nach der Einweihung mit großem Tamtam immer noch nicht benutzt werden...) zu produzieren und ein wenig mit den Leichtathleten zu arbeiten.

Am Dienstag der 2. Januarwoche gab es ein Probetraining im Stadion in Riobamba, wo einfach mal alle Kinder ein bisschen üben durften, wenn es ob der vielen Kinder auch nicht wirklich sinnvolle war, hatten die Schülerchen so wenigens schonmal Kontakt mit der Tartanbahn und den Bedingungen dort.
Den Donnerstag fuhren wir (ich und die beiden Señores Marcelo zusammen mit den Leichtathletikkindern) nach Guamote, das ist die nächstliegende Cantónstadt und dort gibt es ein "Stadion", das eigentlich dieser Beschreibung so garnicht gerecht wird.
Wieder meiner Erwartung konnte man nichtmal dort unter annähernd wettkampfnahen Bedingungen (soll heißen: nicht auf eine Matte sondern in 'ne Sandgrube springend) Weitsprung üben, denn die Weitsprunggrube war leider randvoll mit Wasser geflutet...
Auch die 400m Bahn war schlimmer als jeder noch so vernachlässigte Sportplatz, der mir von zu Hause einfiele (die eine Hälfte matschig und die andere auf dem besten weg wieder ihre natürliche Vegetation zu gewinnen). Das einzig sinnvolle daran war, dass die Ausdauerläufer sich ans im Kreis laufen gewöhnen konnten und auch mehr oder weniger genau nur die 2 km statt der 4-5 km auf der Strecke die sie beim Üben in Columbe immer liefen.

Abgesehen von unzähligen Reperaturarbeiten, die jetzt plötzlich dringend wurden, gab es im Zusammenhang mit der Inauguración auch eine krasse Diskussion zwischen Eltern und Lehrerschaft: Die Lehrer, die stets extremst viel Wert auf Representation und groß aufgebauschte Feten legen hatten irgendwie eine Liste von 100 Speisegästen zusammengestellt die dann mit 5 $ pro Schüler gefüttert werden sollten (die übliche Ermäßigung, dass nur die ältesten beiden Kinder jeder Familie bezahlen müssen, galt natürlich) Allerdings sind selbst 10 $ unheimlich viel für eine durchschnittliche Familie wie meine.
Nach einer von den Lehrern noch mehrere Tage verfluchten Gesamtsitzung mit allen Eltern wurden die Programmspläne um einiges gekürzt und der Beitrag der Eltern konnte auf 5$ pro Familie reduziert werden, was schon eine erhebliche Erleichterung war. (Zitat eines Lehrers: "Das kommt davon wenn man die Eltern irgendwas entscheiden lässt").

Objektive Sicht der Sache: Ich habe in der Zeit genau 14 Einladungen für verschiedene Autoritäten gedruckt, von denen - wie ich jetzt weiß - mindestens 3 nicht kommen konnten.
Außerdem wurden nur noch ein Gastauftritt, der nichts mit der Schule zu tun hatte und ein professioneller Beschaller (der allerdings einen Freundschaftspreis von insgesamt etwa 20 $ für den ganzen Vormittag berechnete) organisiert, plus Essen (das ja nur in Rohzutaten eingekauft wurde) und alles - da dürften die Lehrer zu den Zahlungen der Eltern (etwa 130 Familien darf man wohl rechnen) nicht wirklich viel aus ihren Taschen gegeben haben...

Donnerstag der 3. Januarwoche waren die Leichtathletikwettbewerbe der Lehrerschaft des Cantón Colta, bei denen ich ja aufgestellt wurde.
Um den 5 Kilometer Ausdauerlauf habe ich mich sicherheitshalber (meiner Gesundheit zu liebe) gedrückt und den 400 Meterlauf habe ich verpasst, so dass ich nur in Weitsprung, 100 m Sprint und Staffellauf Silber holen konnte und im "Kugelstoßen" (3 Kilo, die die meisten natürlich einfach nur geworfen haben) irgendwo auf dem 5. oder 6. landete).
Am Freitag folgte noch ein Fußballspiel mit den Collegiolehrern aus Columbe (zu dessen Mannschaft ich ja gehöre). Wir gewannen, ohne dass ich auf meiner Mittelfeldposition viel gemacht hätte, 4:2.

Die darauffolgende Woche war ja unser obligatorisches Zwischenseminar, dass in der Zona de Intag (dem Nebelwald) in der "Nähe" von Otavalo stattfinden sollte, um auf dem Weg nach Otavalo noch ein wenig neues von Ecuador kennen zu lernen machten Anne, Philippa und ich noch einen Abstecher in das auch schon regenwaldnähere Mindo, wo es neben grünster Vegetation auch eine Schmetterlingfarm und Unmengen freilebender Colibris gibt (war echt die Reise wert und wir haben dort ein bisschen Tarzan gespielt: Canopy nennt sich dieses Abenteuer über den Wäldern, bei dem man mit Klettergurt und Rolle insgesamt einige Kilometer an 13 verschiedenen Stahlkabeln entlang "fliegt")

Am Montag brachen wir 14 Uhr auf um an unseren Seminarort Nangulvi zu gelangen, der mitten im Nebelwald an einem Fluss und Thermalquellen liegt (die man auch in an unsere Unterkunft angeschlossenen Becken genießen konnte). Allerdings setzte das Personal des Tourismuskomplexes (so nennt sich die Sache, wo wir untergekommen waren) sehr viel - oder besser wenig - Energie daran uns von dort durch 1. zu wenig und 2. zu trantütige Bedienung bei jeder Mahlzeit zu vertreiben. Gipfel des ganzen und finaler Abreisegrund waren nach Terpentin oder Schimmel oder ein bisschen von beidem schmeckende Brötchen, beim Frühstück am Mittwoch, die durch nichts ersetzt werden konnten, wodurch wir dann recht ungenährt in den Tag starten mussten und auch direkt nach dem Mittag von dort nach Otavalo flohen.
Der Inhalt des Seminares war insofern echt interessant, als dass man endlich mal ausführlich Gelegenheit hatte, sich mit den Voluntären aus anderen Projekten auszutauschen und organisatortische, wie finanzielle Sachen auszuwerten und näher zu diskutieren.

Diese Woche war vorallem hektisch: Am Montag erfuhr ich zu meiner absoluten Überraschung, dass am selben Nachmittag ein Basketballspiel mit der Lehrermannschaft in Riobamba anstünde, weshalb ich nicht genug Zeit hatte erst in meine Gastfamilie zu fahren, sondern erstmal gleich nach der Schule nach Rbb. zurückfuhr, was im Endeffekt auch keine so sinnvolle Entscheidung war, da ich 1. nie angespielt wurde und dann auch in der 2. Hälfte des Spiels ausgetauscht wurde bzw. allein die Defense übernehmen sollte, was mit sämtlichen Mitspielern auf der anderen Spielfeldseite ein etwas sinnfreies Unterfangen war, so dass die Mannschaft schließlich 20:26 verlor.
Wenigens hatte ich an diesem Tag - ausnahmsweise könnte man fast sagen - meinen Stundenplan komplett geschafft und auch großteils recht produktiven Unterricht mit den Kindern auf die Reihe bekommen, so dass ich wenigens nicht ganz angenervt wieder nach Columbe zurück fuhr, wo ich erst 18 Uhr in meiner Familie ankam.

Am Dienstag durfte ich auch mehr oder minder ungestört meinen Stundenplan erfüllen und musste auch hier feststellen, dass man doch nicht nur mit einem Haufen hyperaktiver Kindchen sondern durchaus auch einigen talentierten Schülerchen arbeitet ( Zum Beispiel die Aufgabe in einer 5. Klasse: Ohne vorher die Zahlen auf Englisch wiederholt zu haben, die sie schließlich schon aus dem Vorjahr zu kennen meinten, selbige in der Form wie man sie spricht aufzuschreiben, was sie im Gegensatz zu ihrer Parallelklasse ohne "Ich kann das nicht", "Das geht nicht" und co. hinbekamen)

Mittwoch verlief ebenfalls recht ruhig und erfolgreich. Ich musste nur einen merkwürdigen Zeitungsartikel über die Inauguración verfassen, der aus 2 schon mehrere Jahre alten Artikeln zusammengestoppelt war. Das Merkwürdigste aber: er gibt nachträglich das Programm bekannt, wovon ich mir nur schwer den Informations- oder Unterhaltungswert vorstellen kann...
Am Nachmittag war ein Volleyballspiel angesagt, zu dem ich auch als einer der Pünktlichsten meiner Mannschaft eintraf, allerdings trotz eines noch nicht eingetroffenen Spielers nichtmal als Auswechsler eingeschrieben wurde. Das gute an dem Nachmittag: Am Donnerstag musste ich eh in Riobamba sein, weil die Leichtathletikwettbewerbe der Kinder anstanden UND ich habe die Bekanntschaft eines sehr interessanten und interessierten "Voluntärs" von der nahe Columbe gelegenen Gesamtschule (Unidad Educativa: wörtl. Bildungseinheit) gemacht: Er ist eigentlich kein Lehrer, lernt selbst erst seit 2 Jahren intensiv Englisch, gibt aber Englischunterricht für die Grundschüler (ABC singen, Zahlen und Farben lernen) und hilft beim Sportunterricht. Er hat mich gleich gebente, mit ihm ein wenig Englisch zu reden und seine Hausaufgaben einmal anzuschauen, ob es schwere Fehler gäbe. Und er möchte mich gern in seine Heimat einladen (in der südlichsten Küstenprovinz - El Oro).

Atletismo

Donnerstag begannen die Sportwettkämpfe der Schüler, natürlich erst nach etwa einer (gefühlt 3) Stunde großer Ansprachen, Danksagen und so: Zunächst die 1. Runde im 60 m Sprint, bei denen sich 2 Mädchen und ein Junge unserer Athleten für das Finale am nächsten Tag qualifizierten.
Darauf folgte 2.000 m Ausdauerlauf, den ein Junge und ein Mädchen meiner Schule souverän gewannen.
Wichtigste Erkänntnis des Tages: Es gibt ganze und andere Schulen (alle Schulen die weniger als 6 feste Lehrer haben (was einer für jede Klassenstufe wäre) heißen Pluridocente - oder Unidozente, wenn es nur einer sein sollte - alle die, wie meine Schule, "ausreichend" Lehrer haben heißen Escuela completa (vollständige Schule :D ).
Da den Rest des Tages die Schüler der "unvollständigen" Schulen wetteiferten gab es anschließend nichts weiter für uns zu tun...
Den Rest des Tages nutzte ich schonmal um unsere Wohnung mal wieder ein wenig in Ordnung zu bringen, zumal Ce für Freitag große Geburtstagsfeiergesellschaft eingeladen hat.

Freitag fanden also die übrigen Wettkämpfe statt und ich bin echt stolz auf die Leistungen "meiner Schülerlein": 2 mal Gold in Ausdauer, Gold in 6x 60 m Staffel der Mädchen, Silber und Bronze in Sprint der Mädchen, Bronze in Weitwurf Jungs, Bronze in Weitsprung Mädchen.
Das alles hieß für den Gesamtpokal: Gold bei den Mädchen und Bronze bei den Jungs und: nein es gab nicht nur 3 Schulen im Wettkampf in unserer Kategorie, bei der Staffel traten jeweils 9 oder 10 Mannschaften der verschiedenen Grundschulen an.

PS: Bilder folgen, aber auch in Ecuador gibt es offensichtlich Leute, die den Online-Rollenspielen anhängen und das Internet des gesamten Lokals verlangsamen.

9. Januar 2010

Here we go again

Die Zeit vergeht wie im Flug...

Schonwieder ist eine Woche Arbeit rum und wir sind schon mitten im Januar, langsam habe ich den Eindruck, mir bleibt nicht mehr allzuviel von meiner Zeit hier, und ich bin doch gerade erst gekommen.

Diese Woche begann erstmal mit einem verkürzten Montag, an dem ich leider nur meine Siebtklässler unterrichten konnte, weil die gesamte Lehrerschaft bereits 10:30 nach Cajabamba gefahren ist, um Señorita Olga beizustehen. Am Vortag war deren Mutter verstorben und so versammelten sich alle Leute, die die Mutter auch nur entfernt kannten oder mit den Angehörigen in engem Kontakt stehen um Abschied zu nehmen (Whiskey zu trinken und Bonbons zu essen). Besonders verwirrt hat mich dabei die Anwesenheit ganzer Schulklassen aus Grundschule und Colegio, von denen entweder ein Schülerchen oder der Lehrer irgendwie in Verbindung zu der Verstorbenen stand... Naja andere Länder andere Sitten, ich ging dann mit einigen Lehrern nachdem wir etwa eine Stunde in einem Raum mit dem offenen Sarg gesessen hatten (in den man nicht hineingucken musste und auch nicht konnte, weil er von zuvielen Gestecken umringt war).

Am Dienstag gab ich dann mehr oder weniger normal meine Stunden, wenn auch etwas durcheinander. Und dann wurde ich mehr oder weniger freiwillig zum Athletiktraining der Kinder abkommandiert, weil gerade fast die ganzen Klassen, die ich unterrichten wollte zum "Auswahlverfahren" für die Schulauswahl der Leichtathletik mussten.

Diese Auswahl bestand darin, dass (nach mäßiger Erwärmung) alle 80 vorausgewählten Kinderchen 3 mal das Fußballfeld absprinten durften und danach in jeder Runde die beiden Langsamsten aus jeder 5er-Gruppe elimiert wurden.
Am Ende blieben 12 Jungs und 13 Mädchen die dann in bereits 3 Wochen zum Athletikwettbewerb der Provinz in Sprint, Weitwurf, Ausdauer und Staffellauf beweisen müssen (aber nicht jeder in allem).

Außerdem wurde ich für die Lehrer-Mannschaft von Columbe aufgestellt, darf dann also Leichtathletik (alle Disziplinen), Fußball und Volleyball mitmachen...

Am Freitag habe ich dann (nach bestem Wissen) auch die Erwärmung der Athleten in die Hand genommen und ihnen noch ein paar Tips für den Tiefstart gegeben, wozu der verantwortliche Lehrer nicht so richtig in der Lage war, zumal er selbst ja nicht besonders sportlich ist... Ich bin mal gespannt wie sie sich machen werden (und ich).

Pausenversorgung für die Kinder gibt es immernoch nur am Kiosk, ich frage mich, wann endlich wieder die staatlich Schulverpflegung greift, oder ob es die allen Ernstes nur für drei-vier Monate gibt...

Am Donnerstag Nachmittag war ich mit Jaime zu den beiden entfernter gelegenen Feldern meiner Gastfamilie gelaufen:
Zum 1. liefen wir eine reichliche halbe Stunde stetig bergauf und dann noch eine weitere Stunde den Kamm entlang, um zu den Feldern zu gelangen, wo wir kurz nach meiner Ankunft das Stroh geholt hatten.
Grund des Ausfluges war, zu schauen, wie es den Pflanzen geht, weil in dem Becken, wo meine Gastfamilie wohnt auf einigen Feldern die Quinua-Pflanzen ein bisschen Frost abbekommen haben und eingehen, was ein ziemlicher Rückschlag für meine Familie wäre.
Von Januar I

Glücklicher Weise sind aber die Felder meiner Gastfamilie offensichtlich etwas günstiger gelegen und die Pflänzlichen wachsen ganz gut vor sich hin.
Von Januar I

Noch ein paar Eindrücke der Höhenwanderung in meiner Umgebung gibt es in dem Fotoalbum.

3. Januar 2010

Silvester ohne Sekt, aber mit Sand

Am Sonntag wollte ich dann also eigentlich gleich an die Küste fahren, einziges Problem: Die nächsten 2 Stunden waren die Busse aller Gesellschaften in Richtung Manta, das ich mir als erstes Ziel gesucht hatte, ausgebucht waren, also saß ich 2 Stunden am neuen Terminal in Quito und las.
Dann ging das Sitzen auch gleich weiter, und zwar ganze 8 Stunden im Bus, was vorallem nach dem Verlassen des Hochlandes (ob der Wärme) anstrengend wurde.

Als ich dann also in Manta landete, war ich überrascht, wie gross der Fischereiort ist und zugleich, wie wenig an einem beihnahe Ferien Sonntag in einem Küstenort lossein konnte.
Der Strand ist auch nicht so 100% berauschend, außer wegen der naheliegenden Umgehungsstrasse, die auch sämtliche "Strand"-Hotels von selbigem trennt. Ausserdem herrscht der Geruch nach Fisch überall in Wassernähe vor, was den Ort nicht gerade wesentlich sympatischer machen konnte.

Am nächsten Tag fuhr ich dann nach Bahía de Caraquez, der Ökostadt Ecuadors, die zahlreiche grüne Straßenzüge und eine gut gepflegte Strandpromenade bietet, aber mehr amerikanisches als ecuadoriansiches Flair auf mich ausstrahlte, auch wenn die Bevölkerung mehrheitlich immerhin Spanisch sprach.

Da es dort auch nicht so schön für einen Strandurlaub war, begab ich mich gleich am Dienstag Morgen nach Canoa, wo wir uns ohnehin alle für Silvester treffen wollten. Nach einer Surfstunde(bei der ich mir gleich für die ganze Woche den Rücken mit Sonne versorgt habe) und einem kleinen Strandspaziergang, traf ich mich mit den vielen DED-Freiwilligen, Lisa und anderen Deutschen, die auch gerade dort ihre freie Zeit genossen.
Von Silvester in Canoa

Die wenigen Stunden schlaf der darauffolgenden Nacht genoss ich mit frischer Meerluft in der Nase am Strand und wurde sogar noch bevor sich die Sonne richtig zeigte wach, um frisch in den neuen Tag zu starten. Anne und Martin waren auch schon seit 5 Uhr am Strand gewesen und so gingen wir erstmal alle zusammen frühstücken und genossen den Tag am Strand und den Abend wie den vorherigen in der Strandbar, tanzten barfuss im Strandsand und genossen die Wärme und die Freiheit des Urlaubs.

Silvester zog sich bis in die Stunden des Sonnenaufgangs am Neujahrstag, mit Lagerfeuern am Strand, einer tollen Trommelgruppe, übers Feuer springen, tanzen in der Bar und und und.

Am Freitag kam noch das Abenteuerchen Paragliding dazu, zumindest für Anne und Lisa, weil der Tag bis zum Aufstehen schon zu fortgeschritten war. Martin und ich folgten dann (diesmal mit ein klein wenig mehr Schlaf) am Samstag nach und so klang der Urlaub bis 12 Uhr nachts allmählich aus, und wir fuhren mit dem Nachtbus alle zusammen nach Quito, wo sich unsere Wege dann trennten. Heute früh gegen 10 kam ich wieder zu Hause an und kann dann morgen mit frisch getankter Energie (und vielleicht leichten Augenringen) wieder in den Arbeits"alltag" mit den Kindern durchstarten und mit den Eltern und Lehrern die Konkretisierung des Spielplatzes angehen.

Ich wünsche euch allen ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2010.

Weihnachten ohne Tannenbaum

Direkt am 23.12. lud die Hälfte der Lehrer (die die Obhut über das Jesuskindchen hatten für das vergangene Jahr) die restliche Belegschaft zu dickem Abendessen ein, gegen meine Befürchtungen, war es aber wenigens nur ein (eigentlich 2) grosses Essen, bestehend aus Kartoffeln und Hühnchen sowie Reis und T-Bone-Steak und nem leck'ren Maiskolben.

Heiligabend und den 25.12. verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in Columbe und es war echt schön oder bessergesagt interessant:

Am 24.12. führte ich als ja bereits erprobter Weihnachtsmann ein bisschen Bescherung durch und alle waren so gerührt, dass die Jungs mich glaube ich zum ersten Mal richtig gedrückt haben und mein Gastvater mit Tränen in den Augen tausendfachen Dank darüber äusserte, dass sie diese einmalige Chance haben, mich aufnehmen zu dürfen. Danach wurden noch 16 Cuys "geschlachtet" (also ich war nur beim Töten und Enthaaren dabei, aber das hat mir ehrlich schon gereicht, mit Rücksicht auf die Haustierliebhaber lass ich mich jetzt nicht in Details aus).

Am Nächsten morgen wurde auch noch der Hahn seinen Kopf kürzer gemacht und den gab es dann in der Suppe, ausserdem erklärte ich meinem Gastvater und Jaime, wie man Uno spielt und später nachmittags spielte ich mit allen Jungs ein paar Runden, was ihnen schon recht viel Spass bereitete und im Gegensatz zu den Abenteuern, die mir andere über Gastgeschwister und Uno erzählen konnten, verstand es meine Familie auch recht schnell.

Am Samstag hiess es 4:20 Uhr aufstehen und Tasche einräumen um gegen 6:00 Uhr in Riobamba in der Wohnung zu sein und mein Zeug einzuräumen, was ich mit zum Besuch bei meinem Gastonkel in Quito und anschliessend zum Silvesterurlaub an der Küste brauchte.
7:30 Uhr traf ich mich dann mit meinen Gasteltern und Ruben nach Quito, wo wir gegen 11 Uhr aufschlugen.
Dort waren auch gleich alle Frauen der Familie (Schwester und Schwägerin meines Gastvaters) sowie der Nachbarschaft fleissig mit kochen und braten für das Abendliche Festmahl zu Ehren des Jesuskindes der Nachbarschaft. Schliesslich war dieses meinem Gastonkel anvertraut und er hatte also auch das Kind in die Kirche zu tragen um es weihen zu lassen, wozu wir einmal quer durch Quito mussten, weil keine andere Kirche in der Nähe eine Messe abhielt. (Rückfahrt auf dem Pickup, bei Nieselregen inklusive)
Von Misa en Quito


Die versammelte Kleinnachbarschaft (insgesamt 8 Leute) Lies sich dann von 2 grossen Boxen in dem doch nicht soo grossen Raum beschallen, trank fleissig Kartonwein und schlug sich die Bäuche voll (bzw. die Tüten, weil sich grossteils keinen Hunger hatten.) Ich gesellte mich dann noch ein bisschen zu den Kindern, die sich vom Fernseher fesseln liessen und ging dann gegen Mitternacht auch schon ins Bett, weil ich am nächsten Morgen auch nicht allzu spät an die Küste aufbrechen wollte.

Wie ich am Sonntag Früh erfuhr, hatten die Herren der Runde gegen 3 Uhr nachts noch den richtigen Alkohol (Puro genannt) besorgt und sind wohl erst halb 4 ins Bett gekommen, weswegen mein Gastonkel (der Hausherr also) auch gegen 8 noch im Koma lag, als ich mich verabschiedete, und allen ein Stückchen Stollen hinterliess, zusammen mit ein paar Lebkuchenherzen.

23. Dezember 2009

Feliz Navidad!!

HOHOHOHO!

Ich wünsche allen fleißigen Bloglesern, eine ruhiges und gesegnetes Weihnachstfest! Mein kleines Geschenk an alle sei der langersehnte Nachtrag der Geschehnisse der letzten Wochen :P

Außerdem wünsche ich euch einen guten Rutsch (nicht zu wörtlich) ins Jahr 2010, bestes Gelingen in allem fürs kommende Jahr.

Was so passiert ist:
Das 1. Adventswochenende waren wir alle zusammen in Quito in unserer kleinen Familie von ganz am Anfang und belegten auch beinahe die gleichen Betten.. war schon ein wenig merkwürdig, weil man so erst ein bisschen Kontrast zu unserer Blassnäsigkeit bei der Ankunft gemerkt hat.
Eigentlicher Anlass waren die Gründungsfeiern von Quito, das ursprünglich ganz in der Nähe von Riobamba gegründet wurde. Von den Fiestas haben wir bis auf unmengen Chivas ("Bus-Lkws" mit Bühne obendrauf) - die alle mehr oder weniger privat gemietet waren und uns deshalb nicht wirklich mitnehmen konnten/wollten oder mit Gringos voll waren - auf den Straßen nicht wirklich etwas anderes als das übliche Wochenend-Quito mitbekommen, aber diesmal war die Stadt irgendwie weniger ätzend und ich habe für meinen Teil einige wunderschöne Ecken entdeckt (zum Beispiel die Ronda, was die erste Straße Quitos war und als beinahe einzige noch schicke Kolonialhäuser hat.)

In der Schule gab es soweit nicht viel neues und ich habe schon unwahrscheinlich viele (also soviele wie halt in 3 Wochen passen) reguläre Unterrichtsstunden gegeben.

Die Schülervertretungsliste meiner Gastbrüder hat doch gewonnen und die liefen 2 Wochen nach ihrer Wahl kurzzeitig dazu auf ihre Wahlversprechen zu erfüllen:
Eines war die Schule sauber zu halten und zu diesem Zwecke bewaffnete sich die ganze Gruppe mit roten und gelben Karten um die Müll fallen lassenden Schülerchen zu verwarnen und später zum Müllsammeln zu beordern... Diese Initiative verlief sich allerdings auch schon nach wenigen Tagen wieder.

Mit den Kindern des 3. Schuljahres zu basteln war schwieriger als ich es mir vorgestellt hätte, vorallem, weil nur eines von 19 Kindern sich darauf verstand entlang der vorgezeichneten Linien zu schneiden und so waren die meisten Rentiere eher etwas kantig und auch das Gesicht war selten so wie es sein sollte, aber es hat ihnen nichtsdestotrotz Spaß gemacht...
Von Weihnachtsbasteleien
Das Basteln mit meine Gastgeschwistern war hingegen weitaus erfolgreicher und hat die kleine (4-köpfige) Meute 2 ganze Nachmittag erstaunlich ruhig gehalten (Bilder davon gibts in der Galerie), ausserdem bauten wir uns einen Adventskranz der mit den von Oma geschickten Strohfiguren geschmückt die ganze Familie auch nach mehr als einer Woche noch mit Bewunderung erfüllt.

Von Weihnachten
Heute war in der Schule Weihnachtsfest und es gab zuerst eine einstündigen Messe (in der mehrheitlich die Lehrer - und die Kinder sowieso nicht viel Aufmerksamkeit zollten). Der Pfarrer kam auf wundersamem Wege plötzlich von der Volkszählung im alten Rom auf Erhebungen heute, davon auf Steuern und als nächstes zur Streikenden Telefonfirma im Oriente und seiner Hoffnung, dass die aktuelle Regierung sich keinen Totalitarismus baue. Was die Kinder wie auch die Eltern und Lehrer (sei es nur an diesem Tag oder generell) nicht allzu sehr anhob.

Von Weihnachten
Danach trabten alle Kinder aus der Schule und den anliegenden Hang hinauf, um anschliessend mit Musikbegleitung in mehr oder weniger tänzelndem Schritt zurückzulaufen (begleitet vom Weihnachtsmann und seinem Sohn :D und den restlichen Lehrern). Achja und ein kleiner Jesus, für den das ganze Trara war, wurde auf einem Teller mitgetragen um anschließend wieder auf die Krippe gelegt zu werden.
Von Weihnachten


Anschließend teilte Weihnachtsich zusammen mit seinem Sohn (Sr. Alfredo - von den Kindern der 1. Klassen liebevoll Viejito getauft (Alterchen)) ein paar Kekse an die Eltern aus, die gestern nicht mehr in die Süßigkeitentüten für die Kinder gepasst hatten.
Von Weihnachten

Dann gab es noch mehrere Tütenverteilungen an die Kinder von der (Schönheits-)Königin von Columbe und der Bank von Guayaquil (die den Eltern nebenbei noch ihre tollen Leistungen erklärte) und abschließend von den Lehrern selbst, die immer wieder die Darbietungen der verschiedenen Klassen unterbrachen.

Nochmals ein frohes Fest, ich muss jetzt zur Weihnachtsfeier mit meinen Lehrern aufbrechen...
Chaochao